Gibt es in den Kommunen ein „Weiter so“ nach der Europawahl?

Die gerade eben stattgefundene Europawahl hat ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass ein ansehnlicher Teil der Bevölkerung mit der Blockadepolitik der Volksparteien unzufrieden ist. Die Grünen erhalten immer mehr Zustimmung für ihr mutiges Ansprechen und Vorangehen in diesen schwierigen Zeiten.

Die Menschheit sieht sich gegenwärtig mit dem Klimawandel und dem Artensterben konfrontiert. Wenn nicht bald entschiedene Maßnahmen zur Eindämmung der beiden Probleme ergriffen werden, werden die Folgen daraus nicht mehr umkehrbar sein.

Aktuell erwärmt sich die Erde zu schnell, wodurch ganze Ökosysteme bedroht sind. An einigen Orten der Erde und in Teilen des Klimasystems werden bald kritische Schwellenwerte erreicht. Danach wird eine Kettenreaktion einsetzen und unumkehrbare Ereignisse lostreten. Viel Zeit bleibt uns nicht. Unser Klimasystem könnte schon in weniger als 12 Jahren kippen.

Was hat dies alles nun mit Niedersachsen zu tun?

Täglich gehen in Niedersachsen 10 Hektar Boden für Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren. Dabei ist Niedersachsen nach Bayern Spitzenreiter unter den Bundesländern. Rund die Hälfte der verbrauchten Fläche wird dabei versiegelt, das heißt sie verschwindet unter Beton. Zwischen Boden und Klima bestehen komplexe Wechselwirkungen mit teilweise sich verstärkenden Rückkopplungseffekten. Der Boden hat Einfluss auf das Klima, weil er Wasser für Pflanzen speichert. Über die Verdunstung der Vegetation beeinflusst der Boden im Wesentlichen das lokale und regionale Klima. Dies geschieht durch den Wasserdampf, der durch die Verdunstung der Vegetation entsteht. Dieser Wasserdampf entzieht der umgebenden Luft Energie und kühlt sie somit ab. Beton und andere Versiegelungsmaterialien neigen aber tendenziell zur Überwärmung, weil sie einen Großteil der eintreffenden Hitzestrahlung aufnehmen und nicht in die Tiefe weiterleiten. Dadurch staut sich die Hitze in der Umgebung, was den Klimawandel noch zusätzlich verstärkt. Infolge des Klimawandels werden häufiger Starkregenereignisse über das ganze Jahr auftreten. Bei Starkregen fallen in wenigen Stunden erhebliche Regenmengen an, die aber aufgrund der Versiegelung nicht mehr vom Boden aufgenommen werden können. Aus diesem Grund muss Bodenschutz Teil der Lösung des Klimawandels sein.

Was muss sich auf kommunaler Ebene nun ändern?

Bisher war der Klimawandel in den meisten Kommunen kein großes Thema. Im Gegenteil besteht durchaus der Eindruck, als hätten wir hier auf kommunaler Ebene mit dem Klimawandel überhaupt nichts zu tun. Da sich der Klimawandel durch die zunehmende Bodenversiegelung weiter verschärft, muss auch auf kommunaler Ebene mehr Bodenbewusstsein entfaltet werden. Viele Bürger unserer Samtgemeinde engagieren sich mittlerweile auf vielfältige Weise gegen die gegenwärtige Politik in Bezug auf den Klimawandel. Bei den Europawahlen hat ein beträchtlicher Teil der Wähler in unserer Samtgemeinde ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass sie sich mehr umweltbewusste Politik wünschen.

Oft sind gute Konzepte vorhanden, aber es mangelt an der Umsetzung. In Hanstedt muss das Fahrrad mehr in den Fokus gesetzt werden. Auch fehlen allerorts öffentliche Ladesäulen für die Nutzer_innen der Elektromobilität. Eine digitale Echtzeitanzeige der ankommenden Busse für die zentralen Bushaltestellen in Hanstedt und Salzhausen würde das Busfahren für die Fahrgäste erleichtern. Auch alternative E-Car-Sharing-Modelle in den Kommunen wären einen Versuch wert.

In Salzhausen lässt ein Konzept für die Wiederherstellung und Begrünung der öffentlichen Wegeränder auf sich warten. Auf den Friedhöfen könnten Grünflächen in Blühwiesen umgewandelt werden. Ungenutzte Gräber und Beete könnten mit insektenfreundlichen Sträuchern und Stauden bepflanzt werden.

Bei anstehenden Großprojekten in unseren Gemeinden fordern die Grünen deswegen zukünftig eine ausgewogene Bestandsaufnahme aller Chancen und Risiken, in der auch der Natur- und Klimaschutz mehr in den Fokus gerückt werden. Boden ist eine begrenzte Ressource und geht nach seiner Erschließung bzw. Bebauung für viele Jahrzehnte für andere Nutzungsarten verloren. Wenn große Flächen versiegelt werden, sollte dies zumindest auf klimafreundliche Weise und zum Wohle aller geschehen.

Auch im Privaten gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Die neuen Wege müssen nur begangen werden. Wie die Klimaaktivistin Greta Thunberg sagt: „Unser Haus steht in Flammen.“ Wir müssen dringend handeln und die bestmöglichen Lösungen für Mensch und Natur erarbeiten und umsetzen. Denn je länger wir warten, desto drastischer müssen die Maßnahmen werden, die ergriffen werden müssen. Vor allem müssen wir alle handeln. Wenn wir darauf warten, dass jemand anderes diesen Planeten retten wird, wird es scheitern.

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