Willkommen Wolf?! Vom Mit- und Gegeneinander in einer Kulturlandschaft

Die am 16.12.2020 von der Kreistagsfraktion und dem Kreisvorstand Harburg-Land von Bündnis 90/ Die Grünen durchgeführte Online-Veranstaltung fand großen Anklang. Mehr als 70 Teilnehmer:innen folgten den Ausführungen von Raoul Reding, dem Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., zur Lebensweise des Wolfes und den Ergebnissen des Wolfsmonitorings. Dieser wies noch einmal auf die Mithilfe der Bevölkerung beim Monitoring hin. „Es ist wichtig, alle Sichtungen zu melden. Selbst auch so genannte C3 Nachweise, die ohne Beweismittel wie z. B. ein Bild nicht als echter Nachweis anerkannt werden, sind, wenn sie sich häufen, wichtige Hinweise auf Wolfsvorkommen“.

Danach stellte Christian Meyer als zuständiges grünes Mitglied im Landtag die aktuellen Entwicklungen auf der politischen Ebene vor. Auf die Kritik am derzeitigen Wolfsmanagement entgegnete er: „Eine große Mehrheit in der Gesellschaft will und wird den Wolf nicht wieder ausrotten. Also müssen wir mit dem Wolf leben lernen. Die Förderung der Weidehaltung, Weideprämien und einen Umbau der EU-Agrarsubventionen haben wir Grünen schon vor dem Wolf und unabhängig vom Wolf gefordert!“

Elisabeth Bischoff von der grünen Kreistagsfraktion ergänzte: „Auch das Umweltbundesamt bewertet die Wiederansiedlung des Wolfes positiv. Da Wölfe kranke oder geschwächte Beutetiere bevorzugen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung anderer Populationen.“

In der sich anschließenden Diskussion wiesen insbesondere Weidetierhalter:innen darauf hin, dass Abwehrmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde weder überall einsetzbar sind, noch eine 100%ige Sicherheit gegen Risse bieten. Auch die finanziellen Entschädigungen wurden als nicht zielführend empfunden. Eine Pferdehalterin wurde sehr deutlich: „Für mich sind meine Tiere Familienmitglieder. Die Kompensation ist nur ein Schweigegeld, welches ich nicht möchte.“ Angesprochen wurde auch, dass andere europäische Länder wie Finnland bereits seit längerem eine feste Obergrenze für ihre Wolfspopulationen definiert haben, und diese durch Bejagung konstant halten – ein Weg, der für Deutschland gegenwärtig nicht in Frage kommt.

Kathleen Schwerdtner Máñez von grünen Kreisvorstand machte deutlich, dass diese Sorgen nicht ungehört bleiben: „Es ist völlig klar, dass in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft der Wolf eine Herausforderung ist.“  Wie dieser zu begegnen sei, darüber gab es eine teilweise recht emotionale Diskussion. Dank den fachlich fundierten Ausführungen beider Referenten und einer guten Moderation gelang es, diese stets auf einer sachlichen Ebene zu halten. Der so entstandene Austausch zwischen Befürworter:innen und Gegner:innen der aktuellen Wolfspolitik konnte sicherlich nicht alle Fragen abschließend klären. Er zeigte aber deutlich, dass es eine breite gesellschaftliche Diskussion braucht, um gangbare Wege für ein Miteinander von Menschen und Wölfen zu finden. Denn wie schon eine große deutsche Tageszeitung schrieb: der Wolf ist gekommen, um zu bleiben.

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